Dienstag, 16. Februar 2010

Bestellt und nicht abgeholt

"Du stehst da wie bestellt und nicht abgeholt" sagt er und mustert mich kritisch. Er meint nichts bestimmtes damit, das weiß ich, aber er hat Recht. "Genau das bin ich" antworte ich und schaue ihn forschend an. Er versteht nicht. Warum auch. Er versteht ja nie. Ich könnte ihm jetzt sagen, dass das genau ist wie ich mich mit ihm fühle. Er hat mich bestellt und jetzt will er mich nicht. Bestellt und nicht abgeholt. Eigentlich würde ich mich gerne bei irgendjemandem beschweren. Ich wurde unrechtmäßig geliefert. Gibt es nicht irgendeinen Schalter, einen Beamten, den ich dafür verantwortlich machen kann,dass ich nicht angekommen bin? Dem würde ich was erzählen!
Was passiert eigentlich mit den Paketen, die keiner abholt frage ich mich? Mit all den Sendungen, die nicht genügend Bedeutung für die Adressaten hatten um ihren Weg zu finden. Ihr Schicksaal erscheint mir tragisch.
Während ich noch darüber nachdenke, ob ich vergebens darauf warte abgeholt zu werden, hat er längst das Interesse an unserer Konversation verloren und beißt glücklich in sein Brötchen. Seine Gleichgültigkeit treibt mich in den Wahnsinn. Ich würde ihm gerne sein lächerliches Brötchen aus der Hand schlagen und mich in sein Gesicht übergeben. Oder ihm an den viel zu langen Haaren ziehen. Ich möchte ihn anspucken, mich umdrehen und gehen und dabei möglichst sexy und überlegen auftreten, aber mir scheint, dass mich jede einzelne dieser Möglichkeiten der Klapse näher bringen würde als ihm. Also entschließe ich mich, mich ohne das Spucken oder die Beleidigungen um zu drehen und mich 4 meter von ihm zu entfernen. Meine kleine Rebellion bleibt natürlich unbemerkt. Nach einer Minute schaut er von seinem Brötchen auf, blickt sich suchend um und schlendert mir unbeeindruckt hinterher.

Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wenn er in meiner Nähe ist. Ich verliere mich selbst und er merkt es nicht einmal. Das Schlimmste ist, dass es ihn abstoßen würde, wenn er es wüßte.



Bestellt-und-nicht-abgeholt

Montag, 15. Februar 2010

Starving for truth

Ich glaube, dass nichts so ist wie es scheint. Ja gut, dass ist jetzt nich gerade die augenöffnende Erkenntnis, die der Welt noch gefehlt hat, aber es ist eben wahr.
Ich laufe durch die Straßen und habe das Gefühl gar nicht wirklich zu existieren. Ich bin eigentlich mehr Zuschauerin als Teilhaberin. So als säße ich in einer Luftblase, aber nicht in einer durchsichtigen, schimmernden aus Seife sondern mehr in einer undurchsichtig dichten. in einer Wolkenblase. Erstaunlich dabei ist, dass es keiner zu bemerken scheint. Genau, wie ich es mir denke nimmt mich meine Umwelt gar nicht richtig wahr. Ich meine damit nicht, dass sie mich nicht wahrnimmt, sondern, dass sie mich ganr nicht erkennt. Eben in dieser falschen Wahrnehmung liegt die Crux. Sie führt dazu, dass bestehende Verhälntisse nicht weiter hinterfragt werden. Sie glauben, sie haben es verstanden, weil es auf den ersten Blick eben so wirkte und damit geben sie sich zufrieden. Das ist ja auch am einfachsten. Und um mal von meiner Person weg zu kommen, ich glaube, dass es uns allen so geht. Es läuft immer nach dem gleichen Schema ab; Wir bauen uns ein soziales Konstrukt in dem jeder seine Rolle zugewiesen bekommt- später wird so getan werden als sei nicht die Rolle Vorlage für die Person gewesen sondern umgekehrt, nur so funktioniert es. Alle sind dann sehr glücklich, weil es so unkompliziert und allseits befriedigend ist. Man gibt sich der Illusion hin, man habe den anderen Verstanden, versteht nur, was man verstehen will und vermeidet so jegliche Komplikationen. Zumindest für sich selbst.
Scheiße Mann, merken wirs eigentlich noch?!

Das Problem ist es funktioniert nicht wirklich.
Wir brauchen das Interesse der anderen an unserem wahren Selbst. Deshalb verbringen wir alle den ganzen Tag damit stumm zu schreien.
Ich komme mir dabei vor, wie ein Patient, der im OP aufwacht und unfähig ist sich bemerkbar zu machen. Ich meine wir kriegen es doch alle mit, oder?! Warum verdammt nochmal lassen wir uns darauf ein?
Ich mag nicht mehr mitspielen.
"Desperate for changing, starving for truth"
-Lifehouse

Ich bin wie ausgehungert.

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